Lyrik der Woche (02/2019)

Heute ein Bekenntnis von Robert Gernhardt (1937–2006), das zeigt: Oft liegt der Clou im Unerwarteten.

Bekenntnis
Ich leide an Versagensangst,
besonders, wenn ich dichte.
Die Angst, die machte mir bereits
manch schönen Reim zuschanden.

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Lyrik der Woche (01/2019)

Willkommen im neuen Jahr! Wir lassen den Brockhaus der Woche hinter uns. Stattdessen begleitet uns nun wöchentlich ein Stückchen Lyrik. Lyrik bedeutet übersetzt „die zum Spiel der Lyra gehörende Dichtung“ und auch das englische Wort für Liedtext, „lyrics“, weist auf die Verquickung von Lyrik und Musik hin. Und so wird meine Lyrik der Woche nicht nur Verse und Strophen von Gedichten zitieren, sondern auch Liedzeilen, die mir lieb und teuer sind.

Den Anfang macht die 3. Strophe aus „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff (1788–1857).

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Sehnsucht liegt in diesen Zeilen, eine gewisse Melancholie, aber auch Zuversicht und Mut. Allen, die es wagen, ihre Flügel weit aufzuspannen, wünsche ich einen wunderbaren Flug!

Übrigens: „Mondnacht“ wurde häufig vertont, u.a. von Robert Schumann und Johannes Brahms.

Zum Staunen

Die Auswirkungen der Zentrifugalkraft auf das menschliche Denkvermögen untersucht das Institute for Centrifugal Research in Florida. Dr. Nick Laslowicz präsentiert anschaulich die erstaunlichen Ergebnisse der Forschung. Bei mir hat es über zwei Minuten gedauert, bis ich… aber seht selbst!

Das Video ist übrigens Teil einer hervorragenden Ausstellung der Kunsthalle München. Nur noch bis zum 13.01.2019.

Auch dieses Video ist in der Ausstellung zu sehen:

Man mag darüber streiten, wie authentisch die Kampagne des Kosmetikherstellers ist. Unbestritten ist, wie allgegenwärtig vollkommen unrealistische Schönheitsideale sind. Menschenfeindlich und potentiell gefährlich. Leute, die sich so etwas ausdenken, waren wahrscheinlich zu oft im Wedding Cake oder Steam Pressure Catapult unterwegs…

Brockhaus der Woche (52/2018)

In 52 Wochen sind wir zweimal durchs Alphabet gereist mit Begriffen aus meinem Brockhaus. Mit dem zweiten „Z“ schließt sich der Kreis, das Jahr geht zu Ende. Die Zwölf Nächte bringen uns ins nächste.

Zwölf Nächte (Zwölften), im Volksglauben und Brauchtum bes. hervorgehobene Tage, i.d.R. (mit landschaftl. Abweichungen) zw. Weihnachten und Dreikönigstag; galten als die Zeit von Spukgeistern (Wilde Jagd, Frau Holle, Bercht), die mit mancherlei Arbeitsverbot belegt war, sowie als Lostage; zum Schutz vor den Geistern besprengte man in kath. Gegenden Zimmer und Ställe mit Weihwasser (Raunächte). Aus dem Wetter der Z.N. leitete man Voraussagen für das Wetter der 12 Monate des kommenden Jahres ab, auch Träume galten als vorbedeutend.

Brockhaus der Woche (51/2018)

Der vorletzte Brockhaus der Woche! Mit dem Y geht es in die nordische Mythenwelt.

Ymir, german. Mythos: ein aus dem Eis entstandener Urzeitriese; aus ihm entsprangen die Frost- und Reifriesen; von Odin und seinen Brüdern getötet; aus seinem Fleisch wurde die Erde, aus dem Blut das Meer, aus den Knochen die Berge, aus dem Haar der Weltbaum, aus dem Schädel der Himmel.

Brockhaus der Woche (50/2018)

Was haben gelb, fremd, trocken und Holz gemeinsam? Der Brockhaus verrät es!

xantho… [grch.], gelb…, hellfarbig.
xeno… [grch.], fremd…
xero… [grch.], trocken…
xylo… [grch.], holz…

Brockhaus der Woche (49/2018)

Man kann es mögen oder nicht; es kehrt wieder, zuverlässig jedes Jahr.

Weihnachten [mhd. ze wihen nahten „in den heiligen Nächten“] (Weihnacht, Christfest, Heiliger Christ), gesamtchristl. Fest der Geburt Jesu; neben Ostern und Pfingsten eines der Hauptfeste der christl. Kirchen; seit 336 (erstmals in Rom) am 25.12. gefeiert, anknüpfend an das an diesem Tag begangene röm. Staatsfest der Geburt des unbesiegbaren Sonnengottes (Sol invictus) und dieses im christl. Sinne umdeutend. Es verschmolz später im german. Bereich mit dem Julfest (Wintersonnenwende) und verdrängte, trotz zunächst heftiger Widerstände wegen seiner „heidn.“ Parallelen, außer in der armen. Kirche das ursprüngl. Geburtsfest Jesu am 6.1. (Epiphanias). – Der Volksbrauch (Weihnachtsbrauch) prägte mit seiner Vielfalt von liturg. und außerliturg. Brauchtum (z.B. Krippen, Sternsingen, Weihnachtsspiele) den heutigen überregionalen Charakter von W. aus. Zentrales Sinnbild wurde der lichtergeschmückte Weihnachtsbaum (Christbaum; vereinzelt ohne Licht schon im beginnenden 16. Jh., seit dem letzten Drittel des 19. Jh. allg. üblich), im 20. Jh. kam der Adventskranz hinzu. Aus den Gabenbringern der Adventszeit (hl. Nikolaus, Knecht Ruprecht) wurde der Weihnachtsmann (erstmals belegt auf Bildern des 19. Jh.). Ende des 18. Jh., deutlich dann im 19. Jh., erhielt W. das familiäre Gepräge mit der Bescherung (Kinderbescherung seit dem 16. Jh. in der evang. Oberschicht üblich) am Hl. Abend (Hl. Nacht, Christnacht: 24.12.), auf den sich heute auch die christl. Weihnachtsfeier (Weihnachtsvigil, Christmette) konzentriert.