… sagt Sting in der Dokumentation über die Entstehung seines neuen Albums “If on a Winter’s Night”. Eine spannende Sammlung von alten Weisen, klassischen Stücken und Volksliedern über den Winter; leise und besinnlich, spirituell und wunderbar zum Schreiben.
Stellt man sehr hohe Erwartungen an eine Sache, muss man damit rechnen, dass diese nicht erfüllt werden. Werden sie jedoch übertroffen, dann sollte man dies mit Leib und Seele würdigen. Genau das habe ich letzten Mittwoch im Tempodrom in Berlin beim „Sinful Attraction“-Konzert von Tori Amos getan.
Tori Amos’ strahlende Präsenz füllte die Halle von der ersten bis zur letzten Minute. Völlig ohne überbordende Bühnenshow oder unzählige Kostümwechsel. Im Mittelpunkt stehen die Dinge, auf die es bei einem Konzert wirklich ankommt: Gesang und Instrumente.
In ihrer Stimme werden Gefühle lebendig und berühren ganz tief. Unvergleichlich Toris Art, Klavier und verwandte Instrumente zu spielen. Sie hat auf der Bühne einen Flügel, oben drauf ein Keyboard und hinter sich noch einmal zwei Keyboards. Sie sitzt auf ihrer Pianistenbank, im Ausfallschritt oder breitbeinig, und spielt die Instrumente im Wechsel oder auch zwei parallel, je mit einer Hand. Auch zu würdigen: Die beiden Musiker, die mit ihr zusammen spielen, Schlagzeug und Gitarre respektive Bass.
Sehr schön fand ich die Auswahl der Songs; es waren viele alte dabei, die ich teils seit über 15 Jahren kenne, wie „Space Dog“, „Precious Things“, „Cornflake Girl“, „Hotel“, „Raspberry Swirl“ oder „Pretty Good Year“.
Dieses Konzert hat mich gefangen genommen, aufgewühlt und glücklich gemacht. Ich habe mich frei und leicht gefühlt und so, als wäre alles möglich auf dieser Welt. Es war ein spirituelles Erlebnis. Tori Amos ist meine Göttin der Musik. Amen.
… Michael Jackson CDs bei Amazon bestellt. Als großer Fan in den 80ern habe ich natürlich die Alben dieser Zeit auf Vinyl (und so gut wie alle Maxi-Singles von „Bad“ obendrein). In den 90ern trennten sich Michaels und meine Wege jedoch aus musikalischen Gründen…
Sein Tod hat mich dennoch getroffen; einige Tage trug ich Trauer; um einen herausragenden Musiker und Entertainer, einen verlorenen Menschen und ehrlicherweise auch um meine eigene Jugend.
Dass die Verkaufszahlen nun in die Höhe schießen würden, war klar. Ich wollte bewusst nicht zu denen gehören, die sich CDs deswegen ins Regal stellen, weil der Typ, der vorne drauf ist, tot und in den Medien ist. Doch so ist es ja nicht – ich mochte, liebte die Musik ja schon vorher. Deswegen ist mein Gewissen rein.
Gekauft habe ich „Off the Wall“ und „Thriller“, also die älteren Werke, die noch vor meiner echten Fanzeit geschaffen wurden. Aus meiner jetzigen Betrachtung ist das einfach die „natürlichere“ Musik, die mich deutlich mehr anspricht. Und Michael selbst sah zu jenen Zeiten auch noch natürlicher aus. Vielleicht hängt das zusammen…
Was ich jedenfalls nicht tun werde, ist schlau über Michael Jackson daher zu philosophieren, als hätte ich irgendeine Ahnung, wie sein Leben wirklich war oder als könnte ich mir ein Urteil über ihn erlauben. Ich freue mich einfach auf das Päckchen mit der guten Musik drin und würdige den Künstler, der sie geschaffen hat.
… sind doch die, bei denen sich die Liebenden am Ende nicht kriegen. In der Tragödie liegt einfach mehr Poesie als in der Schnulze. Und am meisten berühren mich Geschichten, in denen die Liebe erwidert wird, aber äußere Umstände das Glück der Protagonisten verhindern.
Ein wunderschönes Beispiel ist die aktuelle Verfilmung einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald. „The Curious Case of Benjamin Button“ erzählt das Leben des Benjamin Button, der als alter Mann zur Welt kommt und mit den Jahren jünger wird. Der Vater – hilflos entsetzt – überlässt den greisen Säugling auf einer Treppenstiege seinem Schicksal. Dieses meint es gut mit Benjamin – er findet ein fürsorgliches und unvoreingenommenes Zuhause. Seiner großen Liebe Daisy begegnet er im Kindesalter bei Kerzenschein unter einem Tisch. Viele Jahre und Erfahrungen später treffen sich die beiden endlich „in der Mitte“ ihrer Leben. Doch ihr Glück kann nicht von Dauer sein, denn Benjamin wird unausweichlich zum Kind werden.
David Fincher erzählt diese Geschichte von der Vergänglichkeit mitBrad Pitt und Cate Blanchett in den Hauptrollen auf wunderbare Weise. Ich nehme mir zwei Dinge aus dem Film mit. Erstens: Freue dich an allen glücklichen Momenten und bewahre sie dir im Herzen, denn du kannst sie nicht festhalten. Und zweitens: Oh mein Gott, Brad Pitt sieht tatsächlich aus wie Mitte 20!
Freunden der englischen Geschichte und spannender Romane möchte ich wärmstens die „Shardlake-Reihe“ von C.J. Sansom empfehlen. Vier Bände sind erschienen: Dissolution, Dark Fire, Sovereign und Revelation.
Alle spielen im England von Henry VIII. Der Rechtsanwalt Matthew Shardlake ist stets mit einer Mission von oberster Stelle beauftragt. Sei es die Klärung mörderischer Vorkommnisse in einem Kloster im Süden des Landes oder die Beobachtung aufständischer Untertanen in York.
Die Hauptfigur weicht vom typischen Schema des Helden ab. Zwar ist Shardlake mit Cleverness und Macht ausgestattet, aber physische Attraktivität fehlt ihm: ein Buckel schränkt ihn körperlich ein und lässt ihn ab und an auch im Verhalten unsicher werden, vor allem in Kontakt zu jungen Frauen. Der Held ist also kein strahlender Alleshaber, sondern eine glaubwürdige Figur mit menschlichen Mängeln.
Shardlake versucht seinen eigenen Idealen gerecht zu werden, doch manchmal kann er daran nur scheitern. Und auch wenn er die Motive und Handlungen seiner Auftraggeber nicht immer billigt, ist er doch Zwängen ausgesetzt, denen er nicht entkommen kann. Mitgefühl für die Gebrandmarkten kennt er gut und doch folgt er dem Gesetz.
So zeichnet Sansom einen komplexen und interessanten Charakter, der den Leser durch ein England im Umbruch führt. Und ja, der Leser lässt sich sehr bereitwillig führen. Gerade bei den Dialogen gerät man leicht in einen Lesefluss, der auch von fortschreitender Müdigkeit nur schwer gestoppt wird. Und das ist ein Hauptqualitätsmerkmal bei Romanen: Du bist mitten in der Geschichte drin und willst gar nicht mehr raus.
So, ich geh jetzt ins Bett und schau noch bei Master Shardlake vorbei. Gute Nacht allerseits.
Letzte Woche hatten sie in meinem Fitnessstudio mal wieder die Disc mit Videos aus den 80ern laufen. Die Erfindung des Videoclips war eine Offenbarung für mich: Popmusik zusammen mit bewegten Bildergeschichten. Einfach genial! Noch auf dem Stepper habe ich drei All-Time-Highlights gekürt.
Nummer 1: Cindy Lauper, Girls Just Wanna Have Fun Das Video repräsentiert die bunten und unbeschwerten 80er. Keiner ist perfekt gestylt, das brauchte man damals noch nicht. Eine denkbar einfache Story wird in fröhlichen Bildern gezeigt. Oh ja, ich hab mir damals vorgestellt, auch ich würde drei Dutzend Leute tanzend in mein Zimmer lotsen.
Nummer 2: Kate Bush, Cloudbusting Besonders toll fand ich immer Videos, die wirklich eine Geschichte erzählten. Gar nicht so selten traten auch echte Schauspieler auf; hier Donald Sutherland. Die Geschichte hat sogar Wurzeln in der Realität, nämlich im Leben und Werk des Psychoanalytikers Wilhelm Reich.
Nummer 3: Madonna, Express Yourself Wir sind Ende der 80er angekommen und langsam wird es stylish. Ich mag die Kombination aus kühler Ästhetik und greifbarer Erotik. Eben Madonna. Regie führte David Fincher, der später unter anderen zwei meiner Lieblingsfilme schuf: Sieben und Fight Club.
Für mich waren Musikvideos prägend – so viel MTV wie ich geschaut habe, als meine Eltern Anfang der 90er endlich Kabelfernsehen anschafften… Geschadet hat’s mir sicher nicht. J
Heute vor einer Woche war es soweit: Im Berliner Olympiastadion betrat Madonna die Bühne und die nächsten beiden Stunden gehörten ihr. Und ich war dabei.
Im Vorfeld des Konzerts haben sich berufen Gefühlte den guten Rat an Madonna gegeben, sie solle nun mit 50 doch aufhören, es wäre an der Zeit, sich in Ehren zur Ruhe zu setzen. Hm. Hat das schon mal jemand den Rolling Stones geraten? Ich glaube nicht.
Es wäre eine Schande, würde sie das tatsächlich tun. Allerdings denke ich, dass es für sie an der Zeit ist, wieder einen echten Evolutionssprung zu machen. Sie ist nun mal nicht mehr Mitte 20. Sie sollte nicht den bunten 80ern nachlaufen. Mit der Tour tut sie das aber ein bisschen.
Ich würde mir wünschen, eine magisch-weise Madonna zu sehen; eine, die auch spirituell verzaubert, nicht nur sexuell. Beim Konzert gab es einen Song, in dem der Mensch Madonna in Erscheinung trat und das fand ich den schönsten Moment. Davon hätte ich gerne mehr, wenn es Euch belieben möge, Majestät.
Aber Madonna hat ja noch nie getan, was die Leute für passend gehalten hätten. Andererseits hat sie beim letzten Song eine Brille getragen. Ein erstes Anzeichen für allgemein anerkanntes altersgerechtes Verhalten?
Da fällt mir ein, dass ich bei Kleingedrucktem manchmal gewisse Schwierigkeiten habe… Na, mit 50 geh ich dann auch mal zum Optiker.
„Willkommen im Friedhof der vergessenen Bücher … Jedes einzelne Buch hat eine Seele. Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seele derer, die es gelesen und erlebt und davon geträumt haben. Jedesmal, wenn ein Buch in andere Hände gelangt, jedesmal, wenn jemand den Blick über die Seiten gleiten läßt, wächst sein Geist und wird stark.“
Als Daniel als 10jähriger Junge diese Worte von seinem Vater hört, ahnt er nicht, wie sehr der gemeinsame Besuch im Friedhof der vergessenen Bücher sein Leben beeinflussen würde.
Carlos Ruiz Zafón, der Autor des Romans „Der Schatten des Windes“, von dem hier die Rede ist, schreibt vor dem Hintergrund eines tristen Barcelonas der Nachkriegsjahre mit wunderbarer Leichtigkeit über die Fundamente menschlichen Daseins: Freundschaft und Einsamkeit, Hass und Leidenschaft, Verzweiflung und Lust – und vor allem Liebe. Das Buch schafft, was ein Buch schaffen sollte: es lässt den Leser eintauchen in das Leben der Figuren. Man hofft, bangt und trauert mit ihnen. Und wenn es an der Zeit ist, darf man sich auch freuen.
Man kann aus dem Buch vieles mitnehmen, aber wenn ich eine Moral aus der Geschichte ableiten sollte, würde ich sagen: Jeder hat sein Schicksal in der Hand und man sollte kämpfen, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Das gilt natürlich auch für mein eigenes Buch. Das hatte im August ein schweres Los: so gut wie alle Wochenenden verplant, kaum ein freier Abend. Entsprechend ist es nicht weit gediehen. Aber: ich bin weiterhin voller Hoffnung auf eine glänzende Zukunft. J
Als Kind habe ich Western geliebt. Die Erinnerung an Figuren und Handlung von Serien wie „Western von gestern“ und „Rauchende Colts“ sowie ungezählten US-Spielfilmen ist diffus und bruchstückhaft. Die Erinnerung an meine kindliche Begeisterung für Abenteuer, Wagemut und Heldenruhm ist dagegen relativ klar geblieben.
Die ungeheuer dreiste Arroganz der weißen Männer des Westens war mir damals noch nicht bewusst. Hingegen fand ich es schon ein wenig merkwürdig und irritierend, dass immer nur die Männer die coolen Sachen gemacht haben, während die Frauen brav am Herd auf die Rückkehr der Aufrechten warten mussten oder bestenfalls mal einen Angeschossenen pflegen durften.
Vielleicht sind das die Gründe, warum mit Beginn der Pubertät das Genre seinen Reiz für mich weitestgehend verloren hat. Daher war ich auch eher zurückhaltend, als ein Kollege mir Deadwood ans Herz und damit ins DVD-Laufwerk gelegt hat.
Schon nach der ersten Folge war ich süchtig. Deadwood ist anders als die alten Western. Keine geschönte Marlboro-Romantik, in Deadwood geht es dreckig zur Sache – in Wort und Tat. Besonders beeindruckend: die Zeichnung der Charaktere. Die Bösen sind böse, aber manchmal sind sie auch sympathisch oder erregen Mitgefühl. Die Guten sind gut, aber auch sie haben ihre Unzulänglichkeiten und dunklen Abgründe. Und genau davon lebt eine Serie, egal in welchem Setting sie spielt.
Um es mit dem Worten des Saloon-Betreibers und Ober-Ganoven Al Swearengen zu sagen: Welcome to fucking Deadwood!
Da musste ich doch tatsächlich erst nach Frankreich fahren, um dort in einem TV-Spot vom neuen Alanis Morissette Album zu erfahren. Wie konnte das nur passieren? Nun, eine Antwort fällt mir ein… aber das gehört jetzt nicht hierher. J
Zurück in Deutschland hab ich mir die Doppel-CD Deluxe Edition bestellt und inzwischen ausführlichst gehört. Ich bin begeistert!
Seit „Jagged Little Pill“ bin ich Dauer-Fan. Ich finde ich mich auf fundamentale Art und Weise in ihrer Musik wieder. Die meisten Songs handeln vom Selbst: von der Suche danach, wie man sich selbst in der Welt ausdrücken kann, von Beziehungen des Selbst zu anderen Menschen und der Selbstbehauptung gegen Dummheit, Vorurteile und Zwänge.
Wahrscheinlich sprechen mich die Lieder deshalb so stark an, weil ich ja auch einen guten Teil meiner Zeit diesen Themen widme (dem ein oder anderen mag das aufgefallen sein…). Gleiches Geschlecht, Geburtsjahr und Grundgedanken begünstigen das Ähnlich-Fühlen.
Mein Favorit auf „Flavors Of Entanglement“ ist gleich das erste Stück: „Citizen of the Planet“
Kurzer Textauszug:
….
I am a citizen of the planet
From simple roots through high vision
I am guarded by the angels
My body guides the direction I go in