Seelenfluegel

Beiträge vom August 2007

Tauch ein ins Leben und spüre!

August 29, 2007 · 2 Kommentare

Das Wichtigste im Leben ist, sich lebendig zu fühlen. Und damit meine ich, die Energie und Kraft des Lebens richtig bewusst wahrzunehmen. Das tut man nicht in jeder Minute im Alltag, sondern bei besonderen Erlebnissen oder in besonderen Augenblicken.  

Was können das für Erlebnisse sein? Ganz unterschiedliche. Bei mir funktioniert zum Beispiel Musik hervorragend. Überaus gut sind Live-Konzerte. Du spürst die Musik mit deinem ganzen Körper. Du vergisst die Regeln. Du darfst springen, tanzen, singen, schreien, klatschen. Du machst weiter bis dein Körper erschöpft ist, dein Geist gibt dir immer noch mehr Energie. Du bist leicht und gleichzeitig verwurzelt wie selten. 

Frisch verliebt zu sein hat eine ähnliche Wirkung. Du schwebst wie in Trance und gleichzeitig ist deine Wahrnehmung merkwürdig klar. Manchmal ist es auch einfach ein Lied, das dich so berührt, dass du einfach weinen muss. Oder das unerwartete Lächeln eines Fremden, an dem du auf der Straße vorbei gehst. Der Schmetterling, der dir über den Weg tanzt. Oder du findest in einem Buch einen fundamentalen Gedanken und du hältst inne, um ihn zu würdigen. 

Der Trick ist, mit wachen Sinnen und offenem Herzen durchs Leben zu gehen. Gefühle zuzulassen, Kontrolle aufzugeben. Und eben dadurch bis zum Grund einzutauchen ins Leben und es so wundervoll intensiv zu spüren.  

Natürlich gehören dann beizeiten auch negative Gefühle dazu: Einsamkeit, Schmerz, Verlust, Sorge. Doch das ist gesund. Wer stark positiv empfindet, kann es auch in die andere Richtung ertragen. 

Es gibt Menschen, die nie oder nur sehr selten so intensiv fühlen. Sie haben meist keinen guten Kontakt zu ihrem Selbst und ihren Gefühlen. Vielleicht weil sie es nie gelernt haben oder weil ihnen Dinge zugestoßen sind, die sie dazu gebracht haben, die Verbindung zu kappen, um zu überleben. Diesen Menschen wünsche ich, dass sie es schaffen, bereit für den Kontakt zu werden und dass ihnen jemand zu Hilfe kommt. 

Und dann gibt es noch Menschen, die relativ bewusst starke Empfindungen aus ihrem Dasein ausschließen. Sie finden es vielleicht naiv oder unangemessen, sich gehen zu lassen, zu staunen, zu fühlen. Menschen, die rein von der Vernunft regiert sind, die meinen, Gefühle sind ein Zeichen von Schwäche. Diese Menschen zahlen für ihre vermeintliche Sicherheit und Souveränität einen hohen Preis, denn ihr Leben ist leer und starr.

Kategorien: Gedanken aus der Besteckschublade

Kamron, der Wolf – Teil 8 (letzter Teil)

August 15, 2007 · 3 Kommentare

Hier kommt der letzte Teil von Kamrons Geschichte. Allen Lesern und allen Kommentatoren ein herzliches Dankeschön! Freut mich natürlich richtig, wenn euch die Geschichte gefallen hat. J 

Und hier auch noch mal die komplette Geschichte als PDF.

Kamron der Wolf

Larson brachte Kamron und Morana bis zu den beiden hohen Birken zurück, die das Tor zum Reich der Kobolde waren. Herzlich verabschiedete er sich von den beiden. Die Kobolde waren Kamron dankbar und verehrten ihn dafür, dass er ihre Königin würdig begleitet hatte. Sie hatten gespannt und berührt zugehört, als Kamron die letzten Wünsche der Königin vor ihnen allen wiederholt hatte. Zuerst war Kamron nervös gewesen, vor so vielen Zuhörern zu sprechen, doch dann fühlte sich glücklich, der Überbringer einer so bedeutenden Botschaft zu sein. 

Den Rückweg zu Moranas Höhle gingen die beiden schweigend. Nachdem sie sich ein wenig ausgeruht hatten, sprach Morana: „Ich bin sehr stolz auf dich, dass du der Königin beigestanden hast. Du hast mich bei dieser Aufgabe würdig vertreten, so dass ich dem armen Kirgil helfen konnte.“

Moranas Lob bedeutete Kamron sehr viel. „Sie ist ohne Angst gegangen, fast freudig. So habe ich den Tod noch nicht erlebt.“

„Der Tod hat der Königin sein mildes Gesicht gezeigt. Das ist nicht immer so.“

„Meine Eltern…sie konnten sich nicht auf das Sterben vorbereiten. Sie hatten keine Warnung, keine Zeit.“

„Im Moment des Todes hat Zeit eine andere Bedeutung. Ich glaube fest daran, dass jedes Wesen in seinem letzten Moment Gelegenheit hat, loszulassen und bereit zu sein. Ich bin sicher, auch deine Eltern hatten diese Gelegenheit, auch wenn das schwer zu glauben ist.“

Kamron schwieg. Morana fuhr fort. „Oft ist das Loslassen schwerer für die, die weiterleben. Den Verlust eines geliebten Wesens zu akzeptieren, ist schwieriger als das eigene Ende hinzunehmen. Behalte deine Eltern in lebendiger Erinnerung, lass deine Liebe für sie eine Quelle von Kraft und Hoffnung sein, aber akzeptiere, dass sie gegangen sind. Sie werden nicht wiederkommen. Lass sie in Frieden ruhen und du, lebe in Frieden.“

„Hast du auch schon einmal jemanden verloren, den du geliebt hast?“

„Ja. Ich habe nicht immer so gelebt wie jetzt. Ich weiß, wie zerreißend der Schmerz sein kann, wie verzweifelt, wie verloren man sich fühlen kann. Die beste Heilung ist, das Leben zu umarmen. Den Schmerz zu spüren, aber auch die unerschöpfliche Energie des Lebens.“ 

Kamron erinnerte sich an die Blicke seiner Eltern, bevor er sich umgedreht hatte und mit den anderen weggerannt war. Sie hatten gewollt, dass er wegrannte. Sie hatten gewollt, dass er weiterlebte. Sie hatten ihr eigenes Ende akzeptiert. Sie gingen nicht im Zorn auf die, die weiterlebten. Und wenn das so war, dann trug er auch keine Schuld. Seine Eltern waren in der Hoffnung gestorben, dass er ein glückliches und reiches Leben führen und sie immer im Herzen tragen würde.  

Als Kamron am nächsten Morgen aufwachte, war es schon spät. Schlaftrunken sah er sich um, Morana war nicht da. Er trat vor die Höhle. Die Luft war mild und die Sonnenstrahlen, die durch die Blätter drangen, ließen das Grün des Waldes leuchten. Kamron atmete tief und schloss die Augen. Die Erinnerung an den vorigen Tag kam zu ihm. Es war so viel geschehen. Erst der dichte Nebel auf dem Weg zu den Kobolden. Er hatte tatsächlich keine Angst gehabt, doch es war ihm unglaublich schwer gefallen, sich blind auf Morana zu verlassen. In seinen einsamen Jahren hatte er sich so sehr daran gewöhnt, nur auf sich selbst zu vertrauen. Zuerst hatte er sich unsicher gefühlt, doch in dem Moment, in dem er sich hatte fallen lassen, hatte er sich geborgen gefühlt wie schon lange nicht mehr. Morana hatte ihm alle Sicherheit gegeben, die er brauchte.

Dann die Begegnung mit der Königin der Kobolde. Er konnte sich nicht erinnern, jemals ein Wesen mit solcher Gelassenheit und leichtem Herzen getroffen zu haben. Er empfand großen Stolz und Ehre, dass er sie auf ihrem Weg in den Tod hatte begleiten dürfen. Letztendlich hatte er dadurch verstehen können, dass er keine Schuld am Tod seiner Eltern trug, dass sie ihn nicht verantwortlich gemacht hatten, dass sie gewollt hatten, dass er weiterlebt und ihr Andenken in Freude lebendig hält.

Kamron ging in den Wald hinein. Vielleicht war Morana Kräuter sammeln gegangen und hatte ihn nicht wecken wollen. Er ging zu der Stelle, an der sie zuvor gemeinsam gewesen waren, doch er konnte sie nicht finden. Die Lichtung mit dem magischen See war gleich hier in der Nähe. Ohne nachzudenken ging Kamron dorthin. Lange stand er am Rand des Sees ohne auf das Wasser zu sehen. Als er dann auf die Oberfläche blickte, sah er im stillen Wasser sein Spiegelbild. Äußerlich war er unverändert. Er konzentrierte sich und diesmal musste er nicht lange warten, bis sein inneres Bild zum Vorschein kam. Das kleine Boot tauchte auf, wie in der Vision zuvor. Die Löwin, das Reh und der Adler saßen gemeinsam im Boot und sahen einander an. Das Meer war immer noch unruhig, doch der Sturm hatte begonnen, sich zu legen. Das Bild verschwand.

Kamron drehte sich um und Morana stand bei ihm. „Nun, Kamron, war das, was du gesehen hast, gut?“ Kamron spürte, dass sein Herz leicht und frei war. „Ja, Morana, was ich gesehen habe war gut.“  

Kategorien: Geschichten

Kamron, der Wolf – Teil 7

August 11, 2007 · 1 Kommentar

Mit einem Schlag war der Nebel verschwunden. Um sie herum war lichter Wald, die Sonne schien und die Vögel sangen. Plötzlich sprang ein Männlein von der Seite direkt vor ihre Füße. Es war ein Kobold.

„Morana, gut, dass Ihr gekommen seid. Schnell, der Königin geht es nicht gut.“ Als er Kamron bemerkte, verengten sich seine Augen zu Schlitzen. „Wer ist das?“

„Verehrter Larson, das ist ein Freund von mir. Sein Name ist Kamron.“

Larson musterte Kamron eingehend. Dann hellte sich sein Blick auf.

„Ein Freund von Morana der Zauberin ist auch unser Freund. Sei willkommen im Reich der Kobolde, Kamron.“

Kamron neigte den Kopf zum Gruß.

„Kommt jetzt!“ Larson lief voraus, Morana und Kamron folgten ihm. Nach kurzer Zeit kamen sie zur Siedlung der Kobolde. Dort gab es keine Häuser oder Hütten, die Kobolde wohnten ganz unterschiedlich; in den Bäumen, in Erdlöchern oder auch unter Büschen. Der Palast der Königin und ihrer Familie war in einer Höhle in der Mitte der Siedlung. Larson führte Morana und Kamron zum Eingang, dann verließ er sie. 

Als Morana und Kamron die Höhle betraten, brauchten ihre Augen einen Moment, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Von draußen drang kaum Licht herein. Nur ein paar Kerzen auf Ständern, die Morana bis zum Knie reichten, die für die Kobolde aber mannshoch waren, war beleuchteten die Halle. In der Mitte der Eingangshalle hatten die Kobolde das Krankenlager ihrer Königin errichtet. Die Königin schien zu schlafen, doch dann bemerkte sie, dass jemand im Raum war und öffnete die Augen. Sie lächelte, als sie Morana erkannte. Mit großer Mühe setzte sie sich in ihrer Bettstatt auf.

„Seid gegrüßt, große Zauberin, und habt Dank für Euer Kommen. Ihr bringt einen Begleiter?“

„Königin der Kobolde, es ist mir eine Ehre, Euch zu sehen. Ich bringe einen Freund. Sein Name ist Kamron.“

Die Königin nickte Kamron zu. „Seid auch Ihr gegrüßt und willkommen, Kamron. Kommt bitte näher, denn ich bin schwach, aber ich habe Euch Wichtiges zu sagen.“ Außer den Dreien war niemand in der Höhle. „Meine Zeit ist gekommen, ich kann es spüren. Ich habe Euch nicht rufen lassen, um mich zu heilen, sondern um meinen Weg zu erleichtern. Ich gehe ohne Sorge. Mein Sohn ist jung und ungestüm, doch er wird meinem Volk ein guter Anführer sein. Mein eigenes Leben war lang und reich. Ich bin bereit. Ich möchte, dass ihr mir helft, meinen Geist auf seinen Weg vorzubereiten. Ihr kennt die Geheimnisse, Morana.“

Morana nickte. „Ich verstehe und will Euren Wunsch erfüllen. Ich habe alles hier, was benötigt wird. Kamron, bei der Vorbereitung der Riten darf kein Dritter anwesend sein. Ich werde dich gemeinsam mit den anderen rufen, wenn die Zeit gekommen ist.“ 

Kamron verließ auf Moranas Geheiß die Höhle. Draußen herrschte buntes Treiben. Die Kobolde liefen geschäftig und sich angeregt miteinander unterhaltend umher. Einige trugen Körbe, deren Inhalt sie laut rufend zum Kauf anpriesen. Es schien eine Art Markt stattzufinden. Plötzlich wurden die Stimmen noch lauter und aufgeregter. Es dauerte einen Moment, bis Kamron begriff, dass nun tatsächlich etwas Außergewöhnliches passierte, das die Kobolde offensichtlich beunruhigte.

„Kirgil ist schwer verletzt, er braucht sofort Hilfe!“ hörte Kamron aus dem Stimmengewirr heraus.

„Ich weiß nicht wie das Holz sich lösen konnten, ich hatte es doch fest vertaut.“ Ein Kobold mit einem buschigen weißen Bart war tief bestürzt.

Ein Stück entfernt scharte sich eine Gruppe. Kamron lief dorthin, und sah, dass ein Kobold fast vollständig unter etwa einem Dutzend Ästen, die für die Kobolde wie Baumstämme waren, begraben lag. Einige waren schon auf die Äste geklettert und versuchten, ihren Freund zu befreien. Zu zweit oder zu dritt konnten sie die Äste zur Seite werfen, doch es war eine mühevolle Aufgabe.

Larson war einer von den Helfern. Als er Kamron sah, rief er ihm zu: „Bitte holt schnell die Zauberin Morana, sie muss helfen!“

Kamron lief zur Höhle der Königin zurück. Vor dem Eingang angekommen zögerte er. Morana bereitete die Königin auf ihre letzte Reise vor. Konnte er sie dabei stören? Doch der verletzte Kobold brauchte ebenso Moranas Hilfe. Vorsichtig trat er ein. Die Königin lag da mit geschlossenen Augen, Morana stand am Fußende ihres Bettes und entzündete gerade stark duftende Kräuter in einer kleinen Tonschale.

„Morana, du musst schnell kommen. Es hat einen Unfall gegeben und einer der Kobolde ist schwer verletzt.“

Morana zögerte, doch die Königin öffnete die Augen. „Bitte geh zu Hilfe, wenn einer meiner Untertanen in Not ist.“

Morana warf einen besorgten Blick auf die Königin, dann stellte sie die Schale ab.

„Ich bin so schnell wie möglich zurück. Mein Freund Kamron wird solange bei Euch wachen.“ Zu Kamron sagte sie leise, bevor sie an ihm vorbei aus der Höhle ging: „Leiste ihr einfach Gesellschaft. Es wird nicht mehr lange dauern. Es ist gut, wenn jetzt jemand bei ihr ist.“

Bevor Kamron antworten konnte, war Morana schon verschwunden. Unsicher blieb er in der Nähe des Eingangs stehen. Er wusste nicht, was er tun oder sagen sollte.

„Komm doch näher, mein Freund.“

Die Koboldin klang schwach. Schüchtern trat Kamron an ihr Bett heran. Der Geruch der Kräuter, die Morana entzündet hatte, machte ihn benommen. „Sag, edler Wolf, was ist geschehen, dass Morana gerufen wurde?“

„Schwere Äste haben sich gelöst und einen Kobold unter sich begraben. Die anderen haben gleich begonnen, ihn zu befreien, aber ich glaube, er ist schwer verletzt.“

Der Blick der Koboldin wurde besorgt, dann zuversichtlich.

„Morana wird bestimmt helfen können. Begleite du mich auf meinem letzten Weg. Morana wird nicht rechtzeitig zurückkommen, ich spüre, dass es bald vorbei ist.“

Kamron erschrak. Er sollte der Königin der Kobolde auf ihrem Weg in den Tod beistehen? Nein, das konnte er nicht. Die Koboldin spürte seine Angst. Sie lächelte.

„Mir scheint, du fürchtest den Tod mehr als ich. Nun, du bist jung und sicher nicht bereit. Doch ich gehe mit leichtem Herzen.“

Zum zweiten Mal an diesem Tag stieg das Bild seiner Eltern vor Kamron auf. Sie waren gefangen und erkannten, dass das Leben jetzt zu Ende gehen würde. Waren sie bereit gewesen zu gehen? Hatten sie Zeit gehabt, das Leben, das sie gelebt hatten, wert zu schätzen und loszulassen? Hatten sie in Frieden gehen können, auch wenn der Tod plötzlich und gewaltsam gekommen war?

„Königin, erlaubt mir eine Frage. Was glaubt Ihr, erwartet Euch auf der anderen Seite?“

Die Koboldin antwortete sehr leise, das Sprechen strengte sie an.

„Ich weiß es nicht. Niemand kann das wissen. Doch darauf kommt es nicht an. Auch in diesem Leben wissen wir nicht, was der neue Tag bringt. Aber leben wir lieber in Furcht vor dem Ungewissen oder in freudiger Erwartung auf das, was uns begegnen wird? Wenn man an der Schwelle des Todes steht, ist es genau das gleiche. Warum sollten wir uns fürchten, wenn wir doch nicht wissen, was geschehen wird?“

Kamron dachte einen Moment lang nach. Er konnte nicht erklären warum, doch sein Herz wurde leicht wie seit langem nicht.

„Ich bewundere Euren Mut und Eure Weisheit, Königin der Kobolde.“

„Hab Dank. Aber glaube nicht, dass nicht auch ich dunkle Zeiten erlebt habe und von Zweifel und Kummer geplagt war. Das liegt in der Natur der meisten Wesen. Morana war in diesen Zeiten immer eine gute Freundin, die mir zur Seite stand. Du kannst dich glücklich schätzen, sie zu begleiten.“

„Das tue ich.“

„Kamron, es ist nun Zeit, ich kann es spüren.“ Die Koboldin bot ihre letzte Kraft auf. „Sage Morana meinen tiefsten Dank für ihre Freundschaft und Hilfe in all den Jahren. Bis zuletzt hat sie mir beigestanden. Und richte auch ein Wort an mein Volk: meinen Tod sollen sie als Verlust würdigen, doch sie sollen in Freude und mit Kraft ihr Leben fortführen. Mein Sohn wird ihnen ein guter König sein, er wird für sie sorgen wie zuvor ich. Und auch dir möchte ich danken, du bist ein würdiger Begleiter, ich bin glücklich, dich jetzt bei mir zu haben.“ Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht. „Nur ein Herz, das alles gibt, kann frei sein.“ Dann schloss sie die Augen und schlug sie nicht mehr auf. Kamron wartete einen Moment. Als er sicher war, dass sie friedlich gestorben war, verneigte er sich tief und entfernte sich langsam von ihrer Bettstatt, ohne sich abzuwenden. 

Vor der Höhle blickte Kamron wieder auf das wilde Durcheinander der Kobolde. In einiger Entfernung entdeckte er Morana. Sie sprach mit dem verletzten Kirgil. Er saß auf einem Stein, dicke Verbände um einen Arm und beide Beine, doch davon abgesehen schien er munter zu sein. Um die beiden herum standen mindestens ein Dutzend weiterer Kobolde, die sich offensichtlich freuten, dass das Unglück noch einmal gut ausgegangen war. Als hätte sie seine Anwesenheit gespürt, drehte Morana sich um und sah Kamron vor der Höhle der Königin stehen. Sie verstand, was dies zu bedeuten hatte und kam herüber. 

„Du hast sie sicher gut begleitet. Sie ist in Frieden gegangen“, sagte Morana.

Kamron war traurig über den Tod der Königin, doch gleichzeitig war sein Herz leicht und er fühlte sich frei.

„Sie dankt dir für deine Freundschaft und deine Hilfe. Von ihrem Volk wünscht sie sich, dass es würdig um sie trauert, aber genauso, dass es mit Freude weiterlebt. Ihren Sohn hat sie als Nachfolger bestimmt. Und sie hat auch mir gedankt, dafür, dass ich ihr beigestanden habe. Ich fühle mich geehrt.“

Morana lächelte. „Du warst ebenso würdig wie ich, sie hinüber zu geleiten. Ich werde ihren Sohn holen, es ist Zeit, das Volk darüber zu informieren, dass seine Königin gestorben ist, damit es seinen König begrüßen kann.“

Kategorien: Geschichten