Seelenfluegel

Beiträge vom Juni 2007

Kamron, der Wolf – Teil 2

Juni 29, 2007 · 2 Kommentare

Kurz nachdem Kamron wieder ein Rudel verlassen hatte, führte sein Weg ihn durch einen magischen Wald. Den ganzen Tag wanderte Kamron durch den Wald, doch auch bei Sonnenuntergang hatte er ihn noch nicht hinter sich gelassen. Als es so dunkel wurde, dass Kamron kaum noch etwas sehen konnte, beschloss er, die Nacht hier zu verbringen und bei Tagesanbruch weiter zu ziehen. Und so legte Kamron sich unter einen Baum, der zugleich Blüten und Früchte trug, um zu schlafen. Im Traum sah er seine Mutter. Doch nicht wie sonst, wenn er von ihr träumte, gefangen im Hinterhalt des Wilderers, sondern in der Nacht seiner eigenen Geburt. Sie war jung und schön. Neben ihr sah er seinen Vater, sein Blick war voller Freude und Stolz. Dann sah er die Rudelälteste und hörte ihre Worte: Er trägt die Sehnsucht im Herzen. 

Da wachte Kamron plötzlich auf. Es war mitten in der Nacht. Er hob den Kopf und einige Meter von ihm entfernt stand eine junge Frau. Ein sanftes Leuchten umgab sie. Sie trug ein langes weißes Gewand aus Stoff leicht wie Luft. Ihre Haut war zart wie Elfenbein und ihr schwarzes Haar reichte beinahe bis zum Boden. Kamron fand sie wunderschön und er fragte sich, ob sie eine Fee oder ein anderes magisches Wesen wäre. Sie sah Kamron an, sagte jedoch nichts.

Kamron erhob sich und sprach sie an: „Wer bist du?“

Sie kam auf ihn zu, dabei schien sie kaum die Erde zu berühren. Die Anmut, mit der sie sich bewegte, hüllte Kamron wie in Trance. „Ich habe viele Namen. Für dich werde ich Morana sein. Sei gegrüßt und willkommen, Kamron.“

„Du kennst meinen Namen?“

„Ich kenne die Namen aller Lebewesen in diesem Wald, auch wenn sie nur auf der Durchreise sind wie du.“

„Sei gegrüßt, Morana. Sag mir, was für ein Wesen bist du, bist du ein Mensch?“

Morana lächelte. „Ein Teil von mir ist menschengleich. Manche glauben, ich sei eine Hexe. Einige meinen, ich sei eine Weise. Viele sagen, ich sei eine Heilerin. Von allem ist ein Teil in mir.“

Kamron konnte den Blick nicht von ihr nehmen.

„Kamron, du bist eingeladen, eine Weile hier bei mir in diesem Wald zu bleiben. Es steht dir frei, weiter zu ziehen, wann immer du möchtest.“

Kamron antwortete ohne zu überlegen: „Ich will gerne bleiben.“

„So sei es.“ Morana nickte und wandte sich zum Gehen. Kamron folgte ihr. Sie sprach nicht und Kamron wagte auch nicht, von sich aus zu sprechen, doch nicht aus Angst, sondern aus Respekt. So gingen sie schweigend durch den nächtlichen Wald. Das sanfte Leuchten, das Morana umgab, erhellte den Weg.

Kategorien: Geschichten

Perfection not required

Juni 25, 2007 · 1 Kommentar

Es geht nicht darum zu sagen „für immer“
Es geht nicht darum zu sagen „einzig und allein“
Es geht nicht darum zu sagen „alles für dich“

Kein Mensch kann das versprechen, denn
das Leben kommt ohne Garantie.

Es geht darum zu sagen „ich kann da sein für dich“
Es geht darum zu sagen „ich will mich darauf einlassen“

Es geht darum zu sagen „ich werde mein Bestes geben“

Natürlich kann immer etwas schief gehen.
Na und? Dann hast du zumindest wirklich gelebt.

Ich habe bisher nichts bereut.

Kategorien: Gedanken aus der Besteckschublade · Geschichten

Kamron, der Wolf – Teil 1

Juni 25, 2007 · 6 Kommentare

Nun ist es soweit. Hier kommt meine bisher längste Geschichte. Die Idee dazu hatte ich vor eineinhalb Jahren, während meines Urlaubs in Mexiko. Seitdem hab ich mit teils monatelangen Pausen daran geschrieben. Um den Leser nicht durch die Gesamtlänge abzuschrecken, gibt’s die Geschichte vom einsamen Wolf häppchenweise. Heute Teil 1.  

Kamron, der Wolf – Teil 1  

Vor langer Zeit, als die Welt noch voller Magie war, zogen die Wölfe in großen Rudeln durch das Land. Ein Wolf verbrachte meist sein ganzes Leben in dem Rudel, in das er hineingeboren worden war. Die Gemeinschaft war wie eine Familie, sie machte die Wölfe stark und schützte sie vor vielen Gefahren.  

Doch es gab einen Wolf, der war anders als die anderen. In der Nacht seiner Geburt kam die Rudelälteste zu den Eltern, um dem Neugeborenen seinen Namen zu geben, wie es üblich war. Sie besah ihn sich und sagte zu seiner Mutter: „Dein Sohn trägt die Sehnsucht im Herzen. Sein Name soll Kamron sein.“ So war Kamron in die Gemeinschaft aufgenommen worden. 

Eines Tages, lange bevor Kamron erwachsen war, geriet das Rudel in den Hinterhalt eines Wilderers. Die Wölfe hatten die Fallen im Waldboden nicht bemerkt. Das Rudel schreckte erst auf, als die schweren Eisenzähne zuschnappten. In Panik rannten sie davon und Kamron wurde mit ihnen getrieben. In sicherer Entfernung gab die Rudelälteste Zeichen, anzuhalten. Kamron lief zwischen den Wölfen umher und suchte nach seinen Eltern, doch er konnte sie nirgends entdecken. Er blickte zurück und sah sie gefangen in den Fallen. Sie versuchten nicht sich zu befreien. Kamron wollte zu ihnen laufen, um ihnen zu helfen, doch die Rudelälteste hielt ihn zurück. Sie waren verloren.  

Die Wölfe im Rudel kümmerten sich um Kamron, als wäre er ihr eigener Sohn. Doch so sehr sie sich auch bemühten, er fühlte sich einsam und verlassen. Die Zeit verging und schließlich erwachte in Kamron die Sehnsucht, in die Welt hinaus zu gehen und nach dem zu suchen, was ihm fehlte. Die Rudelälteste kam zu ihm und sagte: „Ich sehe, dass dein Herz hier nicht länger zu Hause ist. Du bist alt genug, um alleine durchzukommen. Du bist frei zu gehen, wenn es dein Wunsch ist.“ In derselben Nacht verließ Kamron das Rudel, ohne sich zu verabschieden. 

Von da ab zog er allein durch das Land. Nach einigen Wochen wurde die Einsamkeit jedoch unerträglich und als er in einem Gebirge einem großen Rudel begegnete, bat er um Erlaubnis, mit ihnen zu ziehen. Doch auch hier fand er keine Ruhe, sein Herz blieb rastlos und er verließ das Rudel bald. Als Kamron wieder alleine umher zog, sah er fast jede Nacht seine Mutter und seinen Vater im Traum. Die Erinnerung daran, wie er sie verloren hatte, war schmerzhaft und quälte ihn. Und so schloss er sich immer wieder einem der Rudel an, die ihm auf seinen Streifzügen durch das Land begegneten. Er fühlte sich stets wohl in der Gemeinschaft der Wölfe, mit denen er zog, dennoch blieb er nie lange. 

Oft fand Kamron in den Rudeln, mit denen er zog, eine Geliebte. Einigen von ihnen fühlte er sich nah, dennoch verabschiedete er sich nie, wenn er ihr Rudel wieder verließ. Keine von ihnen war überrascht, denn sie hatten alle gespürt, dass er sein Herz verschlossen hielt. So vergingen einige Jahre und der Wolf, der ein Kind gewesen war, als seine Eltern in der Falle eines Wilderers starben, war erwachsen geworden. Er war furchtlos und stark, gleichzeitig freundlich und sanft. Jedes Rudel, mit dem er zog, wäre stolz gewesen, ihn für immer bei sich aufzunehmen. 

Kategorien: Geschichten

Strike!

Juni 5, 2007 · 6 Kommentare

Wer hätte das gedacht? Er ist tatsächlich der Richtige! Zwar nicht für eine Beziehung, aber für eine ziemlich coole Freundschaft.

Gott segne die Oliven. J

Kategorien: Gedanken aus der Besteckschublade