60 Jahre deutsche Geschichte in Original-Tondokumenten auf 11 CDs: „Die Chronik der Bundesrepublik“, von 1949 bis 2009.
Zu einem fairen Preis bietet die CD-Sammlung einen Abriss der letzten 60 Jahre. Berücksichtigt wird die Bundesrepublik genauso wie die DDR. Von Politik über Kultur bis Sport ist alles dabei. Erklärende Zwischentexte stellen die Originalaufnahmen in den Kontext.
Wer viel über die deutsche Nachkriegsgeschichte weiß, wird kaum etwas Neues lernen, denn in die Tiefe gehen die CDs freilich nicht. Doch selbst dann sind sie interessant, denn der Originalton aus Radio und Fernsehen, Film und Werbung, Reportagen und Interviews transportiert Emotion und Authentizität.
… sagt Sting in der Dokumentation über die Entstehung seines neuen Albums “If on a Winter’s Night”. Eine spannende Sammlung von alten Weisen, klassischen Stücken und Volksliedern über den Winter; leise und besinnlich, spirituell und wunderbar zum Schreiben.
Als ich kürzlich wieder einmal Berlin besucht habe, dachte ich bei mir: Wir haben eine würdige Hauptstadt. Weltoffen, monumental, bedeutsam und in mancher Hinsicht so schön dreckig.
Da wurde mir bewusst, wie stark sich in den letzten Jahren mein Selbstverständnis als Deutsche gewandelt hat. Vor einigen Jahren war es mir eher unangenehm, Deutsche zu sein. Und das lag nicht nur am großen Übel Drittes Reich. Tugenden wie Fleiß und Pünktlichkeit fand ich langweilig; kulturelle Exportschlager wie Bier und fetten Schweinsbraten eklig.
Lieber wollte ich mich ausschließlich als Europäerin verstehen. Heute sehe ich mich als deutsche Europäerin. Werde ich im Ausland gefragt, sage ich gern, dass ich aus Deutschland komme. Ich will absichtlich nicht sagen, dass ich stolz bin, Deutsche zu sein. Stolz sein sollte man auf Dinge, die man aus eigener Kraft geschaffen oder erreicht hat.
Ein großer Meilenstein war tatsächlich die Fußball-WM 2006. Dieses Sommermärchen hat die Wahrnehmung der Deutschen auf der ganzen Welt verändert. Schau einer an, die Deutschen können also auch ausgelassen feiern und Gäste friedlich willkommen heißen.
Das Bild Deutschlands ist in den letzten Jahren facettenreicher geworden, auf globaler Ebene und auch für mich ganz persönlich. Als Deutsche bin ich jetzt selbstbewusst – meiner selbst bewusst. Und das ist auch gut so.
Stellt man sehr hohe Erwartungen an eine Sache, muss man damit rechnen, dass diese nicht erfüllt werden. Werden sie jedoch übertroffen, dann sollte man dies mit Leib und Seele würdigen. Genau das habe ich letzten Mittwoch im Tempodrom in Berlin beim „Sinful Attraction“-Konzert von Tori Amos getan.
Tori Amos’ strahlende Präsenz füllte die Halle von der ersten bis zur letzten Minute. Völlig ohne überbordende Bühnenshow oder unzählige Kostümwechsel. Im Mittelpunkt stehen die Dinge, auf die es bei einem Konzert wirklich ankommt: Gesang und Instrumente.
In ihrer Stimme werden Gefühle lebendig und berühren ganz tief. Unvergleichlich Toris Art, Klavier und verwandte Instrumente zu spielen. Sie hat auf der Bühne einen Flügel, oben drauf ein Keyboard und hinter sich noch einmal zwei Keyboards. Sie sitzt auf ihrer Pianistenbank, im Ausfallschritt oder breitbeinig, und spielt die Instrumente im Wechsel oder auch zwei parallel, je mit einer Hand. Auch zu würdigen: Die beiden Musiker, die mit ihr zusammen spielen, Schlagzeug und Gitarre respektive Bass.
Sehr schön fand ich die Auswahl der Songs; es waren viele alte dabei, die ich teils seit über 15 Jahren kenne, wie „Space Dog“, „Precious Things“, „Cornflake Girl“, „Hotel“, „Raspberry Swirl“ oder „Pretty Good Year“.
Dieses Konzert hat mich gefangen genommen, aufgewühlt und glücklich gemacht. Ich habe mich frei und leicht gefühlt und so, als wäre alles möglich auf dieser Welt. Es war ein spirituelles Erlebnis. Tori Amos ist meine Göttin der Musik. Amen.
Die neue Kamron-Geschichte ist immer noch nicht fertig. Die Storyline steht nach wie vor und die passt auch, aber ich habe einige grobe Unlogiken und quatschige Passagen entdeckt.
So ist das immer, wenn ich einen längeren Text schreibe: Beim Lesen von älteren Abschnitten kommt schmunzelndes Kopfschütteln auf. Und die Gewissheit, dass das so nicht bleiben kann. Also geht’s in die nächste Runde. So lange, bis ich sicher bin, dass der Text gut genug für meine kleine, aber feine Leserschaft (mich eingeschlossen) ist.
Sorry, ein wenig dauert’s noch… Ich hoffe, der Herbst bringt mir Schreiblust.
Das Ergebnis der Bundestagswahl lässt mich nicht jubeln, aber es war kaum anders zu erwarten. Trotzdem schätze ich mich glücklich, in einem Land zu wohnen, in dem demokratische Wahlen abgehalten werden. Ich weiß, dass meine Stimme zählt. Ich lebe in einem freien Land.
“A Free country is one where there is broad scope for open political competition, a climate of respect for civil liberties, significant independent civic life, and independent media.“ http://www.freedomhouse.org/uploads/fiw09/MOF09.pdf
Der Freedom House Report von 2009 sagt, dass 46% der Weltbevölkerung in einem freien Land leben – die anderen 54% in nur teilweise freien oder unfreien Ländern.
Grün markierte Staaten sind frei, gelbe teilweise frei und Blau kennzeichnet unfreie Staaten.
Verteilung der Freiheit in der Welt - 2009
Nun sollten die Daten des Freedom House, das überwiegend von der US-amerikanischen Regierung finanziert wird, nicht unreflektiert betrachtet werden. Aber mit ziemlicher Sicherheit kann man wohl sagen, dass wir in Deutschland hinsichtlich der politischen und bürgerrechtlichen Freiheit zum privilegierten Teil der Welt gehören.
Umso trauriger, dass immer weniger Menschen von ihrem Recht auf eine freie, geheime und gleiche Wahl Gebrauch machen. Die Wohlstandsdummdreistigkeit schlägt zu. Für viele Deutsche ist das Recht auf politische Mitbestimmung eine unbequeme und lästige Selbstverständlichkeit.
Die ca. 3,6 Milliarden Menschen, die nicht in freien Ländern leben, sehen das wahrscheinlich anders.
Letzte Woche hat mich eine Erkältung erwischt. Mein Kopf war schwer von eklem Schleim, der sich ungefragt ausgebreitet hatte. Arbeiten ging gar nicht; also blieb ich krank gemeldet zu Hause. Ich hab sehr viel geschlafen, um mich zu erholen. Und wenn ich wach war, fühlte ich mich erschöpft und schlapp.
Und was tut man dann? Richtig, man schaltet den Fernseher ein. Und man schaltet ihn erst wieder aus, wenn man schlafen geht… Und nach dem Aufstehen am nächsten Tag schaltet man ihn wieder ein… Nach einigen Tagen haben diese Deutungen der Abkürzung TV einmal mehr ihren Wahrheitsgehalt bewiesen: Taten-Vampir und Tumbheits-Verstärker.
Der Taten-Vampir saugt die letzten Reste von Aktivität aus, jegliche Tätigkeit (außer Durchzappen aller Programme) erscheint enorm anstrengend und schlicht nicht durchführbar. Der Tumbheits-Verstärker potenziert das vernebelte Gefühl im Kopf; verlangsamt das Denken soweit, dass man sich selbst dabei beobachten kann.
Nun will ich beileibe nicht das Fernsehen an sich verteufeln. Es gibt tatsächlich gute informative und unterhaltsame Sendungen und schließlich bleibt es ja jedem selbst überlassen, was er sieht und was nicht.
Doch hat man den Punkt erreicht, an dem man nicht mehr genug Energie hat, um etwas Aktiveres zu tun als zu Fernsehen – egal was läuft – dann ist man in Gefahr, vom Sog des TV erfasst zu werden, der einen erbarmungslos in die Tiefe zieht, bis man erstickt. Ein paar Tage wie ich nun letzte Woche abzuhängen ist sicherlich nicht schlimm. Schlimm wird’s, wenn Menschen kaum etwas anderes tun.
Das Schreckliche ist, dass so ein wahlloser Fernsehtag ein schales Gefühl der Leere hinterlässt. Währenddessen hat man den Eindruck, etwas zu tun und zu erleben, aber hinterher muss man erkennen, dass man natürlich nichts getan und nicht wirklich etwas erlebt hat.
Man kann nichts mitnehmen, man kann sich nicht entwickeln. Und wer sich dauerhaft nicht entwickelt, der nutzt sein Leben nicht.
… Ganz im Gegensatz zum umtriebigen Milch-Karton im Video von Blur, das außer einer Wortüberschneidung im Titel nichts mit diesem Artikel zu tun hat.
Es gibt viele Menschen, die kennt man, ohne sie wirklich zu kennen. Die Nachbarin, mit der man ein paar Worte im Treppenhaus wechselt. Den Kollegen, dem man in der Kaffeeküche begegnet. Die Bekannten von Freunden, die man bei deren Geburtstagsfeiern trifft.
Obwohl man diese Menschen nur von der Ferne aus sieht, macht man sich doch ein Bild von ihnen. Man verpasst ihnen Labels wie: Redselig oder schüchtern. Höflich oder rücksichtslos. Aufdringlich oder hilfsbereit. Und man entscheidet auf dieser Basis, ob man jemanden sympathisch findet oder nicht.
Manchmal kommt es vor, dass man über solche Menschen ein Detail erfährt, das nicht ins Bild passt, das einen überrascht. Zum Beispiel, dass jemand ehrenamtlich im Tierheim arbeitet. Oder dreimal geschieden ist. Oder Theater spielt. Oder den Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren hat. Oder sich in einer bestimmten Situation hinterhältig verhalten hat. Oder, oder, oder.
Und dieses eine Detail kann das komplette Bild verändern, sogar ins Gegenteil kehren. Je weniger kongruent mit dem bisherigen Bild das neue Detail ist, umso mehr Gewicht erhält es und umso mehr wird es das eigene Verhalten diesem Menschen gegenüber beeinflussen.
Das gleiche kann auch bei Menschen passieren, die man sehr viel besser kennt. Doch hier ist der Erfahrungsschatz größer. Die neue Information kann harmonischer integriert werden, so dass ein facettenreicheres Bild entsteht und meist kein komplett anderes.
Aber letztendlich muss man einfach akzeptieren, dass man nie alles über einen anderen Menschen wissen kann. Und wie sollte man? Man weiß ja noch nicht einmal alles über sich selbst.
Ich denke gerne von mir als „guter Mensch“. Offen, freundlich, tolerant. Besonnen, hilfsbereit, kooperativ. Wer meine Freunde oder Kollegen fragt, ob ich diese Eigenschaften aufweise, wird überwiegend Zustimmung ernten. Das ist gut so, denn ich will nicht nur selbst so über mich denken, ich will auch, dass andere dieses Bild von mir haben.
Doch es gibt Momente, da will ich Leute anpöbeln, weil sie an zu lahm an einem Fitnessgerät trainieren oder zu langsam vor mir auf der Straße gehen. Da will ich Leute schlagen, weil sie ihren Motor unnötig laufen lassen oder sich an der Kreuzung rücksichtslos an mir und meinem Rad vorbei drängeln. Da will ich Leute von der Klippe stoßen, weil ich sie verdächtige, meine Leistung nicht vollauf zu würdigen oder mich zu unterschätzen.
Sollten die Menschen in meinem Umfeld also lieber das Weite suchen, weil in mir eine Bestie schlummert, die jeden Augenblick erwachen und Verderben bringen kann?
Nein. Ich bin ziemlich sicher tatsächlich ein guter Mensch, auch unter der Oberfläche. Dazu gehören eben manchmal auch zerstörerische Gedanken. So lange nicht ein wirklicher Drang besteht, sie auszuleben, sind solche Gedanken gesund, denn sie kanalisieren die Aggressivität, die in gewissem Maß jeder Mensch in sich trägt.
Viel gefährlicher ist es, solche Gedanken nicht zuzulassen oder sie zu verleugnen…Ich jedenfalls würde niemandem trauen, der immer nur lieb ist…